Am Anfang war Peter Ramsauer…

Der Beginn dieses Blogs läßt sich ziemlich genau festlegen: Es ist der Herbst 2011, als der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer mit der Forderung hervorprescht, man müsse eine Hemlpflicht für Radfahrer einführen, wenn die Hemtragequote nicht mittelfristig auf etwa fünzig Prozent ansteigen würde. Ramsauer war sicher nicht der erste Politiker, der so eine Forderung aufgestellt hat, er wird auch nicht der Letzte sein – aber aus irgendeinem Grund bin ich alarmiert. Noch nie hatte eine Forderung nach der Helmpflicht so konkret geklungen. Zum ersten Mal seit langer Zeit dachte ich überhaupt über den Fahrradhelm nach…

Ich lebe in Münster – und damit wohl in der deutschen Stadt, in der das Fahrrad als Verkehrsmittel die höchste Bedeutung im Bundesgebiet hat. Ich selbst sitze fast täglich im Sattel – auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni, zum Treffen mit Freunden, zum Einkaufen. Nahezu jeden Weg lege ich mit dem Rad zurück und nur selten, wenn das Wetter wirklich schlecht ist oder mein Rad eine Macke hat, steige ich auf den Bus um. Ein Auto besitze ich nicht – und bevor ich mir eins zulege, würde ich mir eher ein Bein abhacken – zumindest, so lange ich noch in Münster wohne, denn weder die Unterhaltskosten noch die elende Parkplatzssuche möchte ich mir in dieser Stadt zumuten. Kurz: Ich bin Alltagsradler durch und durch, habe kein Fully oder Fixie, sondern lediglich einen etwas klapprigen Drahtehsel mit Stahlrahmen und ’ner 7-Gang-Kettenschaltung.

Aber genau weil ich eben Alltagsradler bin und nicht nur Wochendtouren auf den Wirtschaftswegen des Münsterlands unternehme oder mich in Todesverachtung mit einem Mountainbike die Baumberge hinabstürze, wäre ein Radhelm für mich ein ziemliches Problem: Der typische Alltag eines münsterschen 2-Fach-Bachelor-Studenten mit Nebenjob wird durch mehrere Ortswechsel am Tag geprägt, da die Unigebäude über das ganze Stadtgebiet verteilt liegen. Im täglichen Mehrkampf aus Vorlesung, Seminar, Bibliotheksbesuch, Mensa, zwischendurch noch ein paar Stunden Arbeit und vielleicht noch zwei Bier mit den Kommilitonen am Abend nervt jedes Gepäckstück ungemein. Zu Büchern, Notebook, Schreibutensilien und vielleicht einer Flasche Wasser käme noch ein äußert lästiges Stück Styropor dazu, das man als Radfahrer den ganzen Tag mit sich herumtragen dürfte.

Ich wollte wissen, ob es das wirklich wert ist. Also begann ich zu recherchieren – und stieß in damit in ein Minenfeld vor, das meine Sicht über Verkehr, Mobilität und die „Fahrradhaupstadt Münster“ nachhaltig verändern sollte. Die Domain www.radhelmfakten.de hatte ich bereits während der ersten Monate der Beschäftigung mit dem Radverkehr gesichert – inzwischen gibt es wesentlich mehr, mit dem ich die Seiten dieses Blogs füllen könnte. Dennoch halte ich an diesem Namen fest, denn er verweist nicht nur, auf die Anfänge meiner eigenen Recherchen, sondern drückt auch etwas aus, was immer hinter meinen Recherchen stand, nämlich die Überzeugung, sich bei so wichtigen Themen wie Verkehrssicherheit und Gesundheit nie von Emotionen und Bauchgefühlen in die Irre leiten zu lassen zu dürfen, sondern erstmal die verfügbaren nackten Daten zusammenzutragen und dann auf Grund der Informationen die Sache einmal richtig zu überdenken und sich eine fundierte Haltung zu bilden.

Peter Ramsauer ist übrigens recht bald von der Helmpflicht abgerückt und zurückgerudert. Das machen Politiker selten und es ehrt ihn durchaus – denn dafür gibt es gute Gründe…

Ein Kommentar zu “Am Anfang war Peter Ramsauer…

  1. Kai Teranski

    Ich fand es ja gut, dass der Radverkehr überhaupt mal von der großen Politik beachtet wurde. Dieser Alarmismus zeigt doch auch, dass die angestammten Kräfte, also die Autolobby, sich bedroht fühlen. Der Radverkehr hat damit eine entscheidende Schwelle der öffentlichen Aufmerksamkeit überschritten und wird nun wirklich ernst genommen.

    Glückwunsch aus dem Ruhrpott zum gelungenen Einstieg in die Blogosphäre!

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