Schillerstraße: Lieber sperren als Winterdienst

Münsters Osten steht erhebliche Bautätigkeit bevor: Der Dortmund-Ems-Kanal wird in den nächsten Jahren deutlich ausgebaut werden und als erste Maßnahme dieser Bauarbeiten müssen die Kanlbrücken „dran glauben“. Keine der sechs Brücken zwischen Schleuse Münster und Stadthafen ist hoch bzw. lang genug, um den gestiegenen Anforderungen des Schiffsverkehrs zu genügen. Die Brücke in der Schillerstraße wurde bereits abgebrochen. Als südlichste Kanalquerung besitzt diese jedoch eine besondere Bedeutung: Ohne sie sind einige östliche Siedlungen quasi von der Innenstadt abgeschlossen. Daneben ist eine Runde den Kanal hoch und und am gegenüberliegenden Ufer wieder runter ein beliebter Sonntagsspaziergang der Münsteraner – mit Abschluß in einem der zahlreichen Cafés an Münsters altem Stadthafen. Um wenigstens Radfahrern und Fußgängern hier deutliche Umwege zu ersparen, hatte das Wasser- und Schiffahrtsamt (WSA) bereits im Februar 2015 eine Behelfsbrücke eingerichtet.

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Dochmit der Brückenpracht ist es zumindest für Fahrradfahrer erstmal vorbei. Das WSA hat jetzt kurzerhand die Brücke der Schillerstraße gesperrt. Mit dabei eine der beliebtesten Zeichenkombinationen ahnungsloser Verkehrsplaner und Baustellenbeschilderer: Zeichen 239 mit Zusatzzeichen 1012-32 „Radfahrer absteigen“. Ersteres kennzeichnet einen reinen Gehweg, letzteres ist unter engagierten Fahrradfahrern hochgradig verpönt, weil es keinerlei verkehrsrechtlichen Regelungscharakter besitzt, der mit einer anderen Zeichenkombination nicht darstellbar wäre.

Rampe der Behelfsbrücke an der Schilllerstraße.

Rampe an der Schillerstraße: Vor einigen Tagen war hier Radfahren noch erlaubt.

Man könnte jetzt durchaus auf die Idee kommen, das WSA würde zurückrudern (Höhö, WSA, zurückrudern, you got it?), weil es auf der Behelfsbrücke zu Unfällen gekommen ist. Immerhin handelte es sich ursprünglich um einen gemeinsamen Geh- und Radweg, welche immer ein gewisses Konfliktpotenzial bieten. Aber dem ist nicht so:

Das WSA befürchtet schlicht und ergreifend, den Winterdienst auf der Brücke nicht ordentlich gewährleisten zu können.

Und an dieser Stelle treten einige Fragen auf:

  • Wenn der Stadtverwaltung Münster der Radverkehr wirklich so wichtig ist, wie sie immer behauptet, wieso bekommt sie es dann in Zusammenarbeit mit dem WSA nicht hin, eine der wichtigeren Verbindungen im Radverkehrsnetz auch im Winter verkehrssicher zu halten? Immerhin ist die Achse Schillerstraße-Lütkenbecker Weg-Lindberghweg eine beliebte Alternativroute zum stark belasteten Albersloher Weg.
  • Wieso sollte die Glättegefahr ausschließlich Radfahrer betreffen? Auch zu Fuß kann es auf einer winterglatten Brücke durchaus rutschig werden – aber die Fußgänger werden durch die gewählte Zeichenkombination überhaupt nicht gewarnt. Sinnvoll wäre hier Zeichen 145-35 – die Schneeflocke im Warndreieck.
  • Wieso betrifft die Gefahr nur die Behelfsbrücke an der Schillerstraße – und nicht auch die anderen münsterschen Kanalbrücken? Man könnte die Regelung mit der gleichen Begründung auch auf der Brücke der Wolbecker Straße oder der Warendorfer Straße anordnen (wobei allerdings anzumerken ist, dass diese Brücken über Fahrbahnen verfügen, auf die es sich prächtig ausweichen lässt, wenn der Winterdienst mal wieder die Fahrradwege als Ablagefläche für die Schneeberge mißbraucht).

Insgesamt also hinterläßt die Sperrung der Behelfsbrücke in der Schillerstraße für Fahrradfahrer also einen faden Beigeschmack. In einer Stadt, die immer wieder ihre Fahrradfreundlichkeit betont, ist das zu wenig.

Ein Kommentar zu “Schillerstraße: Lieber sperren als Winterdienst

  1. Pingback: Kanalverbreiterung: WSA Rheine liefert mustergültiges Provisorium | Leezerize

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