Zuparker anmalen

Nach langer Suche habe ich endlich die ideale Waffe im Kampf gegen merkbefreite Zuparker gefunden – also jene Spezies von Verkehrschauvinisten, die ihre Innenstadtpanzer nicht nur leicht ungeschickt abstellt, sondern so, dass sie nichtmotorisierten gehörig auf den Sack geht:

Den Edding 4090 Flüssigkreide-Marker.

Ich hatte mir recht lange Gedanken darüber gemacht, mir einen ordentlichen Marker zuzulegen, um solchen Vollpfosten ’ne entsprechende Nachricht auf Windschutzscheibe oder vielleicht auch der Motorhaube zu hinterlassen – und zwar so, dass die Herrschaften dazu gezwungen sind, sich mal Gedanken darüber zu machen, was der Scheiß eigentlich soll. Einen Zettel oder auch die beliebten Spuckis schienen mir nicht zweckgemäß, da sie allenfalls direkt ungelesen in freier Wildbahn entsorgt werden. Einen „echten“ Edding auf Ölbasis wollte ich dann aber auch nicht verwenden – nicht aus Mitleid, wohlgemerkt, sondern weil die autogerechte Justiz und Polizei in dieser Stadt bei Beschädigung von Dorfproleten-Heiligtümern wahrscheinlich keinen Spaß verstehen.

Der Edding 4090 ist dabei gleich mehrfach lustig:

  1. Er ist groß, weiß und nicht zu übersehen.
  2. Flüssigkreide ist wasserlöslich. Mit ’nem Lappen und etwas warmen Wasser lässt sich das Zeug von glatten Oberflächen völlig rückstandslos wieder entfernen. Autohändler nehmen das Zeug ebenfalls gerne, um den Fahrzeugpreis auf die Scheibe zu schreiben.
  3. Zumindest bei trockener Witterung sieht man nicht auf Anhieb, dass das Zeug wasserlöslich ist.

Bereits der erste Test der neuen Waffe verlief gestern vielversprechend:

Ein lokaler Food-Lieferdienst in meiner Nachbarschaft wird von notorischen Zuparkern geführt, die liebend gerne den Gehweg auf der Warendorfer Straße mit ihren Karren so zustellen, dass sämtliche Fußgänger auf den dort natürlich viel zu schmalen Zwangsradweg ausweichen müssen – ein Rollstuhlfahrer oder ’ne Mutti mit Kinderwagen hätte in der Situation echte Probleme.

Der Einsatz des Edding 4090 erfolgt kurz vor Feierabend langsam, völlig unverdeckt, und so, dass jeder mitbekommen kann, was ich da mache – auch die beiden Mitarbeiter des Lieferdienstes. Die rufen dann trotz meiner mehrfachen Hinweise, die Flüssigkreide sei einfach abwaschbar, bei den Blauen an. Der herbeigerufene Polizist ist ein alter Bekannter, mit dem ich bereits das Vergnügen hatte und dessen latent unterschwellig radfahrerfeindliche mir bereits hinlänglich bekannt ist. Nach dem ganzen Zipp und Zapp mit Aufnahme der Personalien muss der Mann bedröppelt abziehen: Weil das Wette bescheiden ist, wird selbst dem Mann klar, dass er keinerlei jurisitsche Handhabe gegen mein Handeln hat:

§ 303 Abs. 1StGB (Sachbeschädigung) ist in diesem Fall nicht einschlägig, weil es an der Substanzverletzung fehlt. Selbst der Graffitti-Paragrah 303 Abs. 2 StGB (Verunstaltung) kommt nicht zum Zuge – dazu ist die Farbe viel zu leicht abwischbar. Zivilrechtlich dürften allenfalls die Kosten für die Fahrt in die Waschstraße zu übernehmen sein – also vielleicht gerade mal 5-10 Euro.


Noch lustiger wird das Ganze, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Aktion selbst bei den läppischen Tarifen für’s Zuparken in Deutschland für den Täter noch relativ günstig daher kommt. Seine Karre bhindernd auf einem Gehweg oder Radweg abzustellen, kostet in Deutschland 25-35 Euro. Eine Wäsche in der Waschstraße vielleicht 10 Euro – hinzu kommt da allenfalls noch der ordentlich Schockreflex für den zunächst vermuteten Lackschaden. Der freundliche Hinweis auf der Windschutzscheibe ist demnach also durchaus ein milderer Eingriff, als gleich das Ordnungsamt herbeizurufen (vorausgesetzt, die kommen dann auch, was hier in Münster wieder so eine Sache ist, weil Zuparker von denen nur bekämpft werden, wenn Premiummenschen mit PKW betroffen sind. Weichziele habe die Klappe zu halten und gefälligst den Verkehrsfluss nicht zu behindern.)

Die entsprechenden Eddings gibt’s übrigens auch in bunt – vielleicht ein nettes Geschenk für Kinder, die dann die Zuparker-Muttis vor KiTa oder Grundschule mal die Karre verhübschen dürfen? 😉

Kleiner Disclaimer:

Hiermit soll nicht wirklich zur Nachahmung aufgerufen werden – mir ist bewusst, dass ich mich mit diesem Handeln eventuell auch in die Nesseln setze. Auf keinen Fall sollte man mit Flüssigkreide auf matten Oberflächen (dieser matte Prollkarren-Lack beispielsweise) schreiben, da sich der enthaltene Kalk ziemlich fies in poröse Oberflächen festsetzen kann.

16 Kommentare zu “Zuparker anmalen

  1. dazydee

    So wie sich der Artikel liest, hat der Herr Polizist nach pflichtgemäßen Ermessen zur Entscheidung gekommen, das Falschparken nicht zu ahnden?

    1. Rasmus Richter Autor des Beitrags

      …und die Schweizer sind noch human in der Hinsicht. War vor ein paar Monaten dort unten. Ui, was sind die entspannt im Verkehr. Man merkt, dass das ein Bahnvolk ist.

    1. Norbert

      Ja, Stefan, aber das Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefert sein sucht sich seine Bahn. Und wenn – was ich nicht weiß ob es hier so ist – noch ein wenig mehr Temperament dazu kommt als man es dem durchschnittlichen Beamten zuschreibt, dann eskaliert soetwas.

  2. Daniel

    Ich finde das ist eine tolle Idee solange nur auf der Scheibe geschrieben würd ist für den Pkw Halter ein guter schock und vielleicht ein denkanschluss.

      1. Heinz

        Eskalation scheint Notwendig. Das OA Münster hat zwar eine Schnelle Grill-an-der-Promenade-Eingreiftruppe. Legale, aber bewirtschaftete Parkplätze werden auch überwacht. KFZ auf Geh- und Radwegen werden jedoch weitestgehend in Ruhe gelassen.

  3. Udo

    Unverständlich. Als leidenschaftlicher Auto- UND Fahrradfahrer ist das einfach nur Unsinn. Die Eskalation einfach nur weitertreibend. Lieber mal die Meinung dem Zuparker gepflegt in das Trommelfell schreien als solch einen Unsinn. Wenn der Autofahrer auch entsprechend kleingeistig in seiner Reaktion ist fliesst Blut …

    1. Ilma

      Und? Ist nicht genau DAS das Problem? Das Auto als das liebste Kind des Deutschen, dass man sogar Blut fließen lassen würde, wenn die Gefahr besteht, dass ich die Karre mit dem kleinen Finger berührt habe? Also soll man aus Angst vor Gewalt einfach nix sagen und statt dessen sich über Rasenstreifen quetschen, immer dabei fürchten müssend, dass man versehentlich das Auto berührt, das den Rad- und Gehweg blockiert.

      Genau das ist doch das Problem: Das Auto ist so wichtig, dass Gewalt zur „Verteidigung“ zulässig erscheint. Es ist so wichtig, dass es überall abgestellt werden darf, egal, ob das Menschen gefährdet oder nicht.

  4. jan

    Ich finds gut: Der Radwegzuparker merkt ganz direkt und unmittelbar, dass es Leute gibt die das nervt.
    Der pädagogische Effekt ist sicher grösser als beim 20 Euro ‚ticket‘ vom Amt, Schaden entsteht keiner und auch wenn es vor Ort mal zum Konflikt kommt … immerhin hat dann ein Austausch stattgefunden 😉

    Auf Dauer spricht sich das vielleicht auch rum: angemaltes Auto = Falschparkerpranger. Wird dann hoffentlich peinlich damit rumzufahren. Das wirkt.

    Ich geh gleich nen Edding kaufen. Könnte auch mal mit der Unkrautspritze experimentieren. Da kann man die Karre gleich ganz umfärben.

  5. Zelda

    Falschparker find ich auch blöd. Aber Leute, die großzügig mit der Bezeichnung Proll um sich werfen, um andere abzuwerten, finde ich noch blöder. Leider durchgefallen.

  6. Rollschuhfahrer

    Qualitativ deutlich besser als Edding und teilweise auch günstiger sind die Acrylstifte von Molotow.
    Lassen sich vom Glas ebenfalls mit Schrubben und Wasser wieder ablösen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen