Deadlock: Der Tag, an dem der Kreisel still stand

Sollte es in Zukunft einen Tag oder ein Ereignis geben, an dem ein Stadthistoriker das Versagen der münsterschen Verkehrsplanung festmachen will: Der 13. März 2017 hat gute Chancen, als Tag des Zusammenbruchs in die Stadtgeschichte einzugehen. Als der Tag, an dem eigentlich jedem hätte auffallen müssen, dass ein Weiter so! in der Stadtentwicklung in näherer Zukunft zu massiven Einschnitten in der Lebensqualität der einstmals lebenswertesten Stadt der Welt führen muss. Wirklich jedem – und nicht nur der üblichen Blase der münsterschen Verkehrsaktivisten…

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Dabei war eigentlich nicht viel geschehen. Nur ein kurzer Abschnitt der Engelstraße war wegen einer Fahrbahnsanierung gesperrt worden. Radfahrer fanden sich hier schon länger unvermittelt vor einer Baustelle wieder. An diesem Montag traf dies dann auch den Kraftverkehr. Wohlgemerkt: Nur den Individualverkehr. Buslinien verkehren auf diesem Abschnitt nicht.

Die Folgen der Sperrung waren aber verheerend. Ohne dass noch ein weiterer Grund für das Geschehen zu finden war, brach innerhalb kurzer Zeit und ohne Vorwarnung am Montagnachmittag zur Rushhour der komplette münstersche Innenstadtverkehr zwischen Ludgerikreisel und Hauptbahnhof zusammen. Kein „normaler“ zähflüssiger Feierabendverkehr mehr, sondern ein Superstau, ein Deadlock.

Busse stauen sich auf der Schorlemer-Straße

Bus-Stau wie seinerzeit bei Transport Tycoon: Der Deadlock vom 13.03.2017

Weil die Engelstraße dicht war, konnte die allabendliche Blechlawine nur noch über die Von-Steuben-Straße aus der Innenstadt abfließen. Da sich hierdurch auf der Schorlemer-Straße ein erheblicher Rückstau bis um Kreisverkehr bildete, ging dann irgendwann gar nichts mehr. Mit der Blockade des Ludgerikreisels kam der gesamte Kraftverkehr in der südlichen Innenstadt zum erliegen. Stadtbusse fuhren Verspätungen ein, die man sonst nur bei erheblichen Störungen im Bahnverkehr kennt. Die Rettungsdienste und die Polizei hatten trotz Sondersignalen erhebliche Probleme, sich den Weg durch das Verkehrschaos zu bahnen.

Beste Aussicht auf den Deadlock

Von meinem Arbeitsplatz im dritten Stock eines Bürogebäudes in der Schorlemer-Straße hatte ich selbst beste Aussicht auf den Irrsinn, der sich einige Meter unter mir abspielte. Lange konnte ich meinen Kopf dabei nicht aus dem Fenster halten: Die unten vor sich hin blubbernde Dieselkarawane aus Stadtbussen rief einen merklichen Dunst an diesem ansonsten sonnigen, ersten wirklich frühlingshaften Tag hervor. Münsters erster richtiger Deadlock stank – im wahrsten Sinne des Wortes – bis zum Himmel. Ein netter Vorgeschmack auf das, was dieser Stadt mit Nachverdichtung und E-Center am Hafen ohne funktionierendes Gesamtverkehrskonzept in naher Zukunft noch blühen wird.

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