Urlaubsfund: Radfahrer absteigen!

In meinem wohlverdienten Jahresurlaub mache ich gerade meine Heimatregion Ostfriesland mit der Leeze unsicher. Nachdem ich vorgestern mein altes, klappriges, aber zuverlässiges Studentenrad  durch die Borkumer Dünen gejagt habe, stand gestern eine kleine Fotosafari im Emder Hafen an. Dort traf ich auf ein wirklich bedenkenswertes Exemplar aus der Kategorie „Radfahrer absteigen!“ am Emder Seedeich.

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Parallel zur Schleuseneinfahrt der Großen Seeschleuse läuft dort ein Industriegleis durch den Seedeich, um bei Bauarbeiten an der Schleuse einfach großes Gerät heranschaffen zu können. Der Bau ist entsprechend aufwendig gestaltet, weil der Deich-Durchbruch bei Sturmflut mit einem Schott geschlossen werden muss. Gekostet hat der Spaß wohl einen hohen sechsstelligen, wenn nicht knapp siebenstelligen Euro-Betrag. Genutzt wurde das Gleis allerdings noch nie – zumindest nicht von einem Zug.

Die äußersten Ecken des Emder Hafens erfreuen sich ziemlicher Beliebtheit – nicht nur bei Wohnmobil- und Fahrradtouristen, sondern auch bei Einheimischen, die gerne mal mit dem Auto eine kurze Runde durch den Hafen drehen, um dann am Seedeich oder an der zwischen den beiden Emder Schleusen gelegene Landzunge Middelmantje ein paar Minuten auf den Dollart zu gucken. Der Legende nach wurde ein nicht unerheblicher Teil der lokalen Bevölkerung genau an diesem romantischen Fleckchen Emdens gezeugt…

Die Trägheit mancher Autofahrer oder vielleicht auch nur der Wunsch nach ein wenig Privatsphäre scheint jedenfalls so ausgeartet zu sein, dass die Deichacht vor einiger Zeit einige Poller im Deichdurchbruch aufgestellt hat, um ein unerwünschtes Befahren mit schweren Fahrzeugen zu unterbinden. Die Poller stehen jedoch jetzt so ungünstig, dass Radfahrerinnen und Radfahrer geradewegs in die Schienen geführt werden. Daher also der Griff in die ultimative Mottenkiste des StVO-Schilderwaldes: „Radfahrer absteigen!“.

Immerhin: An dieser Stelle ist das Schild durchaus sinnvoll aufgestellt. Sicherlich ginge das auch freundlicher, als im kasernenartigen Befehlston, aber hey, hier ist das nur ein einfacher Hinweis – und so lange, wie die Schilder hier stehen, kann damit nicht an anderer Stelle wirklich Unfug getrieben werden…

 

4 Kommentare zu “Urlaubsfund: Radfahrer absteigen!

  1. Latz

    Das Zeichen „Radfahrer absteigen“ ist nirgends in der StVO erwähnt, das ist ja das Problem damit. Es gibt keine Regelung wann und wo das Schild benutzt werden darf oder sollt (oder eben nicht sollte).
    Es ist für Radfahrer nicht bindend und erzeugt deswegen immer wieder Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Polizei.

    1. Norbert

      Es ist im amtlichen Verkehrszeichenkatalog und hat die Nr. 1012-32 und ist daher genauso bindenden wie alle anderen Zusatzzeichen auch.

      S. http://www.bast.de/DE/Presse/2017/presse-05-2017.html

      Nur weiß ich keinen sinnvollen Einsatzzweck, der über das Wiederholen von Regelungen hinausgeht, die sich nicht schon aus anderen VZ ergeben (vorausgesetzt, die wurden korrekt angeordnet und aufgestellt).

  2. siggi

    Norbert
    26. August 2017 um 10:55

    Es ist im amtlichen Verkehrszeichenkatalog und hat die Nr. 1012-32 und ist daher genauso bindenden wie alle anderen Zusatzzeichen auch.

    Genau so ist es.
    Darum absteigen, sofort wieder aufsteigen und weiterfahren.
    Dann hat man gemacht was das Schild verlangt.
    Wenn man gewollt hätte, dass Radfahrer dort nicht fahren, hätte man doch bestimmt entsprechenden Schilder dafür aufgestellt.

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