Zensiert: Polizei Münster löscht kritische Kommentare auf Facebook

Dass die Polizei Münster kritischen Anmerkungen engagierter Bürger in Sachen Verkehrssicherheit nicht gerade offen gegenübersteht, ist kein Geheimnis. Viel machen kann sie dagegen in einem demokratischen Rechtsstaat mit garantierter Meinungsfreiheit nicht, auch wenn die Heuchlertruppe das gerne anders hätte. Über die eigene Facebookseite hat der Freund und Helfer hingegen volle Verfügungsgewalt – und wie das bei Facebookseiten so ist, entlädt sich dort manchmal ein kleinerer oder größerer Shitstorm. Größere Unternehmen betreiben für solche Situationen eigene Abteilungen, die reagieren, beschwichtigen und versuchen, die Kunden abzuholen. Das Löschen unliebsamer Kommentare hingegen gilt als No-Go, denn die Vermutung, imageschädigende Sachverhalte unter den Tisch kehren zu wollen, führt im Ernstfall zu einem noch größeren, eventuell vernichtendem Imageverlust.

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Die Polizei Münster scheint ein solcher Imageverlust aber nicht zu interessieren: Ohne jeden Kommentar wird auch sachlich formulierte Kritik sofort zensiert. Kommunikation findet für die Propagandaoffiziere der Volkspolizei Münster anscheinend nur in eine Richtung, nämlich von oben nach unten, statt:

Mein Hauptaccount darf bei der Volkspolizei Münster bereits seit Jahren nicht mehr kommentieren, obwohl ich dort wirklich im Rahmen „normaler“ Internet-Kommentare geblieben bin. Vielleicht irgendwann nicht mehr freundlich, aber sicher auch nicht beleidigend. Vor ein paar Tagen hatte ich mir dann einen Spaß daraus gemacht, angesichts der zum Herbst unvermeidlichen Licht-Kampagne der uniformierten Sicherheitsheuchler mal einen weiteren Facebook-Account aufzumachen:

Karl-Heinz Wiedenkötter beteiligte sich unter Anderem mit dem Wissen, dass es in Münster 2016 keinen einzigen Unfall gegeben hatte, der auf defektes Fahrradlicht zurükzuführen gewesen ist. Die demgegenüber ausufernden Licht- und Wahnwesten-Aktionen der Polizei kommentierte er entsprechend kritisch, aber freundlich. Ein Seitenhieb auf den überambitionierten Abzockerbullen Karsten P., der vor einem guten Jahr im WDR seine völlige Unkenntnis bezüglich der StVO zur Schau stellte und Wahndelikte abkassierte, durfte auch nicht fehlen.

Die Zensurapparatschiks der Volkspolizei Münster reagierten darauf vorbildlich: Wienkötters Kommentare wurden ausnahmslos gelöscht, Wienkötter darf auch nicht mehr kommentieren.

Immerhin: Ich deute die Zensur durch die Genossen von der Volkspolizei mal als Reaktion. Auf Twitter kommt nämlich unter @polizei_nrw_ms gar nichts zurück. Nicht bei anderen und bei mir erst recht nicht.

3 Kommentare zu “Zensiert: Polizei Münster löscht kritische Kommentare auf Facebook

  1. Norbert

    Naja, Zensur im juristischen Sinne dürfte das nicht sein, da die Zensur dem Wesen nach durch den Staat gegenüber einem Anderen erfolgt und sich nicht auf die redaktionelle Arbeit bei eigenen Publikationen beziehen kann, oder? Eine Facebook-Kommentar ist ja im Kern nichts anderes als ein Leserbrief und da steht jedem Medium frei, ohn zu veröffentlichen.

    1. Rasmus Richter Autor des Beitrags

      Zensur ist schon scharf formuliert. Medial unprofessionell ist es allemal. Stell Dir mal ein Unternehmen vor, dass so in seinen Socialmedia-Kanälen agiert…

      1. Norbert

        Das wäre ungeschickt und trotz des Bauchgefühls der ganzen Schreihälse in den s. g. Social-Media auch kein Zensur. Wäre nur eine Shit-Storm-Garantie …

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