GStA Hamm: Weichziele sind nicht schutzbedürftig

Auch aus Sicht der Generastaatsanwaltschaft Hamm scheint es völlig in Ordnung zu sein, wenn Besitzer PS-starker Premiumfahrzeuge minderwertige Verkehrsteilnehmer einfach mal wegdrängen, aus dem Weg hupen und dann im Zentimeterabstand vorbeijagen. Das lässt jedenfalls die kurze Antwort der G-StA Hamm vermuten: Die hat meine Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens gegen einen bekannten Münsteraner Tankstellenbetreiber und Retter der geknechteten Autofahrerschaft kurzerhand abgelehnt. Dabei hatte ich der Generalstaatsanwaltschaft haarklein begründet, dass ein ungefährliches Überholmanöver an dieser Stelle generell nicht möglich war. Allein für das Überfahren der durchgezogenen Linie an der Engelenschanze mit Gefährdung wären eigentlich ein paar hundert Euro, Punkte in Flensburg und – je nach Auslegung – direkt ein einmonatiger Umstieg von E-Klasse auf Citaro drin gewesen.

Freundlicherweise hat sich eine weitere Verkehrs-Sozialdarwinistin angeboten, die Situation an der Engelenschanze, um die es eigentlich geht, noch einmal entpsrechend nachzustellen. Münsters uniformierte Heuchler stehen allerdings momentan eher am Weihnachtsmarkt rum, schlürfen Kaffee und schützen uns mit der MP 5 im Anschlag vor den bösen, bösen Terroristen…

Hier einmal ein Video von dem Terror, dem man als Radfahrer auf Münsters Straßen ausgesetzt ist:

Scheint also klar zu sein: Weichhziele haben in Westfalen keine Möglichkeit, sich unter Wahrung rechtstaatlicher Mittel gegen gewalttätige Übergriffe der selbsternannten automobilen Herrenmenschen zur Wehr zu setzen. Überzeugte Verkehrs-Sozialdarwinisten können sich in Münster und Umgebung der absoluten Unterstützung durch die Strafverfolgungsbehörden sicher sein. Selbst vorsätzliche Gefährdungen bleiben folgenlos.

Heil der schneidigen Kavallerie der münsterschen Auto-Justiz!

PS: Rechts kann immer noch für anstehende Prozesskosten gespendet werden…

18 Kommentare zu “GStA Hamm: Weichziele sind nicht schutzbedürftig

  1. Alex

    Mal so aus Interesse. Du hast sicher vor Wur gekocht – was ist deine Strategie da wieder runterzukommen, sofern du den schneidigen Verkehrsführer nicht an der nächsten Ampel einholst und durch Brüllen, Treten oder Zerkratzen langsam wieder auf ein ansprechbares Level kommst? Ich meine die Frage sehr ernst – manchmal weiß ich mir nicht zu helfen!

  2. Sebastian

    Fahr halt aufm Radweg, wenn dich die Autos nerven 😉 Außerdem fährst du an der Ampel rechts an denen vorbei. Selbst schuld, alles in allem. Das du nicht längst mal zur mpu musstest wundert mich.

    1. Rasmus Richter Autor des Beitrags

      Man, Du Experte. Den Radweg an der Engelenschanze hab ich doch glatt übersehen… Da gehe ich glatt morgen noch mal suchen… (Mit was für *** man sich so im Internet rumschlagen muss…)

      1. Sebastian

        Ich weiß, dass da keiner ist. 20 Meter weiter ist die Promenade. Wenn du es für so unzumutbar hältst, fahr halt zum Beispiel da her. Den wahren Experten erkennt man an der Kombination aus, erst rechts überholen und dann aufregen, dass die wieder an dir ollen Weichziel vorbei müssen/wollen 😉

        1. Rasmus Richter Autor des Beitrags

          Und was soll ich auf der Promenade? Ist schön da – aber leider nicht die Büros meines Arbeitgebers. Meinst Du, ich fahr die Engelenschanze zum Spaß lang?

          1. Sebastian

            Könntest ja von der Promenade dann zurück zur Schorlemer Str., ist zwar ein Umweg, aber bevor ich mir jeden Morgen den Arsch abfahren lasse, würde ich zumindest drüber nachdenken. Geht mich aber auch nichts an. So oder so, dass du rechts an den wartenden Autos vorbei fährst ist genauso scheiße wie deren Verhalten anschließend. Ich verfolge deinen Blog schon lange und bekomme immer mehr den Eindruck, dass du von allen und jedem 100%ig korrektes und rücksichtsvolles Verhalten erwartest, aber dich selbst wie die Axt im Walde aufführst.

          2. Norbert

            Guck mal in § 5 Abs. 8 StVO:

            Ist ausreichender Raum vorhanden, dürfen Rad Fahrende und Mofa Fahrende die Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen.

  3. Markus Süden

    Sehr geehrter Herr Richter,

    ich halte aus der Ferne die Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft für falsch. Ich würde anregen eine gerichtliche Entscheidung des OLG Hamm zu beantragen.

    Gruss
    Markus Süden

  4. MartinTriker

    @Sebastian: Db bist ernsthaft der Meinung, weil Rasmus sich an die Gesetze hält (§5 (8) StVO regelt rechts vorbei fahren an wartenden Autos), dürfen ihn die Autofahrer gefährden? Ist das dein Ernst?

    1. Sebastian

      Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass ich das Verhalten der Autofahrer scheiße finde. Ich bin der Meinung, dass niemand niemals gefährdet werden sollte!
      Ich habe gesagt, dass er sich selbst in die Position begibt, dass Sie es überhaupt können. Und StVO hin oder her (da steht übrigens rechter Fahrstreifen und nicht, wie in dem Video, der dritte Fahrstreifen), nicht alles was man darf, ist auch in jeder Situation angemessen und/oder rücksichtsvoll. Was er da macht, sagt doch ich überhol jetzt und dann könnt ihr mit 20 kmh hinter mir her kriechen, übersetzt „ich scheiß auf euch“. Diese Art der Wertschätzung erwidern die Autofahrer dann anschließend 😉
      Dein Kommentar zeigt auch genau die Denkweise, die ich an vielen Radfahren in Ms so bemerkenswert finde: Ich darf das laut StVO, also mach ich es, ohne eine Sekunde drüber nachzudenken, ob es in der jeweiligen Situation angebracht ist. Egoismus in seiner reinsten Form.

      1. MartinTriker

        Doch, hast du gesagt bzw. geschrieben. Zitat aus einem deiner Kommentare: „Außerdem fährst du an der Ampel rechts an denen vorbei. Selbst schuld, alles in allem. Das du nicht längst mal zur mpu musstest wundert mich.“

        Außerdem bin ich nicht aus MS.

  5. siggi

    @Sebastian
    Was soll daran nicht angebracht sein? Wenn man Platz hat und fahren kann und darf, dann fährt man eben. Wo ist das Problem???
    Das Problem sind die, die meinen damit ein Problem zu haben.
    Wenn man mit einem über 2m breiten Auto nicht überholen kann, dann ist das eben so und man hat das zu akzeptieren.
    Ich nutze die Vorteile meines Fahrrades jedenfalls auch aus. Ich wäre ja blöd wenn das nicht täte.

    1. Sebastian

      Welchen Vorteil genau? Ein paar Sekunden eher an einer roten Ampel stehen? Oder in dem Moment, in dem es grün wird, im Toten Winkel und ungemütlich nah an einem Auto zu sein? Wo ist der der Gewinn? Völlige Wahrnehmungsverzerrung: Die Fahrspur ist ca. 3m breit, wenn der Radfahrer rechts überholt ist die Straße breit genug. Wenn der Autofahrer das macht, ist sie zu schmal,oder wie?
      Es ist einfach super unnötig. Oder fändest du es geil, wenn du mit deinem Fahrrad durch Münster fährst und an jeder Ampel drängelt sich jemand vor dich und schleicht dann mit 8kmh auf einem schmalen Radweg vor dir her?

      1. Rasmus Richter Autor des Beitrags

        Genau deswegen ja: Ich hole auf der Strecke Eisenbahnstraße-Engelenschanze-Kreisverkehr als Radfahrer mit ca. 25 km/h die Kraftfahrzeuge in der Regel 3 x wieder ein und werde jedes Mal wieder knapp überholt. Übrigens oft genug erst kurz vor der Ampel Windhorststraße im Endspurt. Soviel zum Thema Rücksichtnahme. Ich sehe nicht ein, mich da aus Solidarität mit in den Stau zu stellen.

  6. siggi

    @Sebastian
    Genau diese Vorteile.
    Früher an der Ampel stehen, eventuell eine Ampelphase früher wegkommen, u.s.w.. Genau die Vorteile ausnutzen die mir ein Fahrrad bietet.
    Ich habe übrigens auch ein Auto und wenn ein Radfahrer direkt neben mir steht, dann sehe ich ihn. Ich kenne auch kein Auto welches dort einen toten Winkel hat.

  7. siggi

    @Sebastian
    Noch was vergessen.
    Wenn ich auf einem Radweg keinen anderen Radfahrer überholen kann, dann ist die Radwegbreite nicht regelkonform. Wahrscheinlich würde ich so einen Radweg garnicht benutzen.

  8. berlinradler

    @Sebastian, ganz so, wie Du es schreibst, funktioniert es aber auch nicht, oder nur mit viel Glück.

    Wenn ich mich hinten anstelle, ist ja nicht gesagt, dass sich nicht weitere Fahrzeuge hinter mich stellen. Wenn ich so verzögert werde, dass ich dann als erster an der roten Ampel stehe, ist die Situation genauso als wäre ich rechts vorbeigefahren.

    Ob „provokativ“ oder nicht – das Überholverhalten an solchen Stellen wird sich nicht unterscheiden und irgendeine eigene Verhaltensmaßnahme, die Überholvorgänge ausschließt, gibt es nicht.

    Hier könnte allenfalls die Polizei durch Kontrollen ein Bewusstsein schaffen.

    Als Gefährdeter ausweichen – das machen viele und wenn ich die Kreuzung in meinem Umfeld hätte, würde ich Alternativen suchen. Letztendlich haben dann aber die, die die STVO nicht einhalten wollen, gewonnen.

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