Borkum: Benutzungspflicht im Dünensand

Der Preis für die wohl unverständlichste und überflüssigste Benutzungspflicht in Deutschland geht wohl an den Landkreis Leer – oder genauer gesagt: An die Stadt Borkum. Ja, richtig gelesen: B – O – R – K – U – M.  Für meine Leser aus Süddeutschland: Borkum ist dieser liebeswerte Sandhaufen oben links auf der Deutschlandkarte. Gewissermaßen das lezte Stücken Bundesrepublik, bevor man nach England abdampft.

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Bereits im letzten Sommer hatte ich mal eine kleine Glosse verfasst, weil die Helm- und Wahnwestenmanie auch dieses verkehrsberuhigte Eiland nicht verschont und zuweilen absurde Züge annimmt. Diesmal war ich gleich für ein paar Tage dort, habe mich dann aber von eiskaltem, ablandigen Ostwind dann doch von grösseren Ausfahrten ins Hinterland abbringen lassen.

Borkum: Das letzte Stückchen Reedestraße, kurz vorm Anleger

Wenn man mit dem eigenen Fahrzeug nach Borkum anreist, kommt man allerdings um eine Straße nicht herum: Das ist die Reedestraße. Die Reedestraße ist sogesehen der „Schniedelwutz“ auf der Landkarte, der unten von Nord-West nach Süd-Ost an der Insel dranhängt. Sie verbindet den Leuchtturm mit dem Hafen und ist im Großen und Ganzen die einzige Straße auf der Insel, die diesen Namen auch wirklich verdient. Und weil wir immer noch in Deutschland sind (und Borkum in Sachen Deutschtümelei eine ungute Tradition besitzt), beglückt der Landkreis Leer die zahlreichen fahrradaffinen Besucher eben auch mit einem standesgemäßen, benutzungspflichtigen Zweirichtungs-Radweg.

Standesgemäß bedeutet in diesem Fall: Rote, gemeinsam mit Fußgängern zu nutzende Buckelpiste auf gefasten Betonsteinen. Als Alternative zu diesem Bauschrott existiert ein paar Meter weiter Richtung Wattenmeer und Salzwiesen noch ein Wirtschaftsweg, dessen Zustand aber ähnlich blamabel ist. Die Reedestraße selbst ist natürlich bestens asphaltiert. Ansonsten hat sich hier das Verkehrsprekariat bedingungslos dem Kraftverkehr unterzuordnen, der auf dieser Straße bei maximal zugelassenen 60 km/h allenfalls im Stundentakt karawanenartig von und zur Fähre rollt.

Übrigens hat auf Borkum just an jenem Wochenende meiner Anwesenheit wieder die Touristensaison begonnen. Es geht ja jetzt auf Ostern zu. Da wird die halbe Insel dann wieder für de Kraftverkehr gesperrt und woanders, als auf der Reedestraße und zum Ostland darf man dann mit dem Privatauto überhaupt nicht mehr fahren.

Die Bentzungspflicht der Buckelpiste an der Reedestraße gilt trotzdem.

 

Ein Kommentar zu “Borkum: Benutzungspflicht im Dünensand

  1. Bebbi

    Die Reedestraße selbst

    Nennt man Fahrbahn. Fahrbahn mit Straße gleichzusetzen ist nur was für Leute, die Verkehr und Auto gleichsetzen.

    Auf dem Foto habe ich das Rot gar nicht erkannt und musste nochmal genau gucken. Ein schönes bsp. dafür, dass rotes Pflaster nicht geeignet ist, um Radwege zu kennzeichnen.

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