Streitfrage Fahrradhelm – Leitfaden zum Verständnis einer Diskussion

Vorwort

Die Wissenschaftsgeschichte ist reich an Situationen, in denen sich das Naheliegende nicht als zutreffend erwiesen hat. Das vielleicht eindrücklichste Beispiel für eine derartige Entdeckung ist die Wende vom ptolemäischen Weltbild mit der Erde als Zentrum des Universums hin zur Heliozentrik des Kopernikus. Diese kopernikanische Wende hatte ihren Ursprung in der exakten Beobachtung von Details der Planetenbahnen am Nachthimmel, die mit dem bisherigen Weltbild nicht in Einklang zu bringen waren: Den sogenannten Planetenschleifen. Wenn man die Position der Planeten im Laufe des Jahres gut genug beobachtet, so wird man feststellen, dass sie für einige Wochen und Monate rückwärts zu laufen scheinen. Nimmt man die Erde als Mittelpunkt des Sonnensystems ist eine solche Bewegung aber eigentlich unlogisch. Über Jahrtausende behalf sich die Menschheit daher mit einer Hilfskonstruktion, welche die Planeten ihrerseits auf ihrer Bahn um ein Zentrum kreisen ließ. Dies ist die sogenannte Epizykeltheorie. Erst, nachdem Kopernikus die Sonne ins Zentrum des Sonnensystems gerückt und Kepler die Planetenbahnen als Ellipsen erkannt hatte, wurde die komplexe Berechnung der Epizykeln hinfällig. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich eine fehlerhafte wissenschaftliche Ansicht gehalten, weil der Beobachtung der Details zu wenig Beachtung geschenkt worden war und ein gewisser Dogmatismus zu hindernden Denkverboten geführt hatte.

Die Lehren aus diesem Kapitel der Wissenschaftsgeschichte sind eingentlich hinlänglich bekannt: Wer nur forscht, um das Naheliegende zu belegen, gerät in die Gefahr, das Zutreffende dahinter zu verkennen. Wer seinen Kritikern nicht zuhört und ihre Einwände mißachtet, anstatt sich sachlich mit ihnen auseinanderzusetzen, darf sich nicht wundern, wenn eines dieser vorgebrachten Details letztlich die gesamte eigene Theorie zum Einsturz bringt.

Die Beschäftigung mit der Forschung zu Fahrradhelmen hat mir deutlich vor Augen geführt, wie wichtig diese Erkenntnisse letztlich in allen Disziplinen für sauberes, wissenschaftliches Arbeiten sind. Ich bereite meine persönlichen Ergebnisse und Schlußfolgerungen auf diesen Seiten für all jene auf, denen es eben nicht genügt, sich einfach dem Naheliegenden zu unterwerfen, sondern die ihre Entscheidungen gerade bei Sicherheits- und Gesundheitsaspekten möglichst auf der Grundlage gut unterfütterter Forschung treffen wollen.

Lesen Sie weiter: Von der Sturzkappe zu den heutigen Fahrradhelmen…

 

 

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