Die Helmtrageqoute – wie man sie ermittelt

Eine der wichtigsten Kenngrößen in der Radhelm-Diskussion ist die Helmtrageqoute. Dieser Wert wird beispielsweise jährlich vom Bundesverkehrsministerium ermittelt und publiziert. In den entsprechenden Publikationen des Ministeriums wird er als Indikator für die Verbreitung von Fahrradhelmen angesehen. In Forschungsarbeiten zum Fahrradhelm finden sich jedoch immer wieder Flüchtigkeits- und Denkfehler oder auch ein komplettes Außenvorlassen der Helmtrageqoute – mit verheerenden Folgen für die Studienqualität. Bereits das Wie der Ermittlung der Helmtrageqoute spielt eine wichtige Rolle, denn abhängig davon, ob die Quote bei einer Verkehrszählung, einer Umfrage oder anhand der Daten von Unfallopfern ermittelt wurde, unterscheidet sich die Aussagekraft und die Aussagerichtung der Quote.

Die Verkehrszählung

Verkehrszählungen bilden die häufigste Variante zur Ermittlung der Helmtrageqoute. Dies ist die Zahl, die jedes Jahr durch das Bundesverkehrsministerium, aber auch durch viele lokale Polizeibehörden veröffentlicht wird. Hierzu werden an mehreren innerörtlichen Messstellen in einer Stichprobe Fahrradfahrer mit und ohne Helm gezählt und dann die entsprechende Quoten ausgerechnet. Hierbei gibt es einen entscheidenden Punkt zu beachten:

Radfahrer mit hohen Kilometerleistungen haben auch eine höhere statistische Wahrscheinlichkeit, durch eine Zählstelle zu fahren. Eine aus einer Verkehrszählung ermittelte Helmtrageqoute gibt deswegen eher an, wie hoch der Anteil der gefahrenen Fahrradkilometer unter Radhelm ist, als dass er aussagt, wie hoch der Anteil der Helmträger unter den Radfahrern ist.

Es gibt dabei durchaus einige Schwachpunkte, die an dieser Stelle nicht verheimlicht werden sollen:

  • Verkehrszählungen beschränken sich oftmals auf die Spitzenstunde des entsprechenden Abschnitts. Dadurch kann es zu gewissen Schwankungen kommen, weil beispielsweise der Schülerverkehr außen vor bleibt – oder eben gerade durch die Zählstelle geht.
  • Radsportler mit hohen Kilometerleistungen werden eventuell unterrepräsentiert, weil ihre Trainingsfahrten nur zu kleinen Teilstücken innerorts stattfinden.

Die Umfrage

Umfragen zur Helmtrageqoute finden sich deutlich seltener, als Ergebnisse aus Verkehrszählungen. Das ist durchas logisch – denn eine vernünftige, qualitativ gute Umfrage braucht deutlich mehr Know-how und finanzelle Mittel, als eine reine Verkehrszählung, die sich bereits mit einfachsten Mitteln gut durchführen läßt. Ein Beispiel für so eine Umfrage ist der regelmäßig durchgeführte Fahrradmonitor des ADFC. Hier wird durch ein Marktforschungsinstitut und entsprechende Fragen eine Helmtrageqoute ermittelt. Eine so ermittelte Quote hat eine andere Aussage, als die Quote aus einer Verkehrszählung. Aus einer Umfrage kann man eher erfahren, wie verbreitet das Tragen eines Radhelms in der Gesamtzahl der Radfahrer ist. Diese Quote kann sich beträchtlich von der Verkehrszählung unterscheiden, denn je mehr Kilometer ein Radfahrer fährt, um so stärker ist seine Gewichtung in der Verkehrszählung. Es könnte beispielsweise sein, dass Helmtragen in der Bevölkerung weniger verbreitet ist, als es die Zählung vermuten läßt, weil Radsportler mit hohen Kilometerleistungen in den Verkehrszählungen nach oben verschieben. Andererseits ist genau so denkbar, dass Freizeitfahrer mit niedrigen Kilometerleistungen seltener gezählt werden, aber das Tragen eines Fahrradhelms in der Gesamtmenge der Radfahrer viel weiter verbreitet ist.

Umfragen sind dabei immer eine heikle Angelegenheit: Bereits ungeschickt gestellte Fragen können das Ergebnis in die ein oder andere Richtung beeinflussen. Es gibt zudem eine Tendenz zu gesellschaftlich erwarteten Antworten.

Die Helmtrageqoute beim Unfall

Die dritte Variante der Helmtrageqote wird bei verunglückten Radfahrern ermittelt. Man kann diese Angaben häufig in den Unfallsatistiken der lokalen Polizeibehörden finden – daneben tritt sie in nahezu jeder klinischen Studie zu Fahrradhelmen auf. Die Aussagekraft dieser Quote ist dabei für sich genommen gering. Dennoch finden sich in Publikationen immer wieder Hinweise, dass die Helmtrageqoute im Bereich der Polizeiinspektion XY bei verunfallten Radfahrern „glücklicherweise“ gesteigert werden konnte. Ob es sich hierbei wirklich um einen Glücksfall handelt, kann aber erst beurteilt werden, wenn man die beiden vorgenannten – und besonders die erste – Helmtrageqoute kennt und in Relation setzen kann. Denn wenn man das nicht macht, muss man sich nicht wundern, wenn sich im Endeffekt herausstellt, dass Helmträger beispielsweise doppelt so oft Unfallopfer werden, wie unbehelmte Radfahrer.

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